Unsere Kinder brauchen uns


Das Kollegium des Schlossgymnasiums nahm im Jahr 2015 an zwei Studientagen zum “Faktor Unterrichtbarkeit” teil.

Dahinter verbirgt sich der bindungsbasierte entwicklungspsychologische Ansatz des kanadischen Psychologen Dr. Gordon Neufeld.  Es wurden ebenfalls zwei Elternabende unter dem Titel “Unsere Kinder brauchen uns”, gleichlautend zu dem Buchtitel Neufelds, durchgeführt, um den Eltern einen Einblick in die Thematik zu gewähren.

Seitdem gibt es einen Arbeitskreis von Kolleginnen und Kollegen, der an konkreten Fallbeispielen, unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Neufeld-Ansatz versucht, den Umgang mit “Problemverhalten” für alle Beteiligten zu verbessern und den Schülerinnen und Schüler besser gerecht zu werden.

Im folgenden soll ein kurzer Einblick in diesen Ansatz gewährt werden.


Der bindungsbasierte entwicklungspsychologische Ansatz
von Dr. Gordon Neufeld

Hinter dem Titel “Der Faktor Unterrichtbarkeit” steht der bindungsbasierte, entwicklungspsychologische Ansatz, der von dem kanadischen Entwicklungspsychologen Dr. Gordon Neufeld entwickelt wurde.

Basis für diesen Ansatz ist eine Synthese von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen aus verschiedenen Disziplinen. Dazu gehören neben der Bindungs- und Resilienzforschung und der Entwicklungspsychologie, vor allem auch die Ergebnisse der modernen Hirnforschung.

Kindheit und Familienleben haben sich im Verlauf des letzten Jahrhunderts sehr stark verändert. Nicht zuletzt die moderne Kommunikationstechnik hat daran einen großen Anteil.
Nicht nur in den USA und in Kanada, sondern auch in Deutschland scheint zu den Folgen dieser Veränderungen

zu gehören, dass viele Kinder und Jugendlichen in ihrer psychologischen Reifung immer mehr ihrem biologischen Alter hinterher hinken, während ihre körperliche Entwicklung und Reifung so rasant verläuft wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Diese psychologische Unreife lässt sich mit den Methoden der modernen Hirnforschung in den Zusammenhang mit einer verzögerten Hirnentwicklung bringen.

Viele Verhaltens- und Lernprobleme, mit denen Lehrer zunehmend in Schulen zu kämpfen haben, lassen sich auf diese psychologische Unreife zurückführen.
Zum Beispiel sind Aufmerksamkeitsspanne, Impulskontrolle, moralisches Handeln und auch Selbstständigkeit eng mit der Entwicklung der vorderen Stirnhirnbereiche verknüpft und somit nicht durch Erziehung erzwingbar.

Spannend ist in diesem Zusammenhang natürlich besonders, welche Erklärungsansätze es für diese

Entwicklungsverzögerung gibt. Denn nur, wenn man die Ursache kennt, hat man die Chance, an den Symptomen etwas zu ändern, in dem man die Bedingungen entsprechend so verändert, dass sie entwicklungsfördernd werden.

Der bindungsbasierte entwicklungspsychologische Ansatz von Neufeld liefert einerseits schlüssige kausale Zusammenhänge, die Ursachen nicht nur für Entwicklungsverzögerungen, sondern auch für die verschiedensten Verhaltensprobleme (z.B. Aufmerksamkeitsstörungen, Aggressionsprobleme, Mobbing etc.) zu erklären. Durch die Fokussierung auf die Bindungen/Beziehungen der Schüler enthält er aber andererseits auch ein wirkungsvolles Instrument, mit einem Problem im geringsten Fall so umgehen zu können, dass es sich nicht weiter verschärft. Im besten Fall kann man sogar einen Rahmen für die weitere Reifung der Schüler schaffen, wodurch sich viele Probleme sozusagen von alleine lösen.

Kurzer Überblick über die wichtigsten Konzepte des Neufeld-Ansatzes

Die menschliche BindungDie menschliche EntwicklungDie Bedeutung von GefühlenÜber Gordon NeufeldWeitere Informationen
Die Bindung als natürlicher Kontext für Entwicklung und Lernen

Je jünger ein Kind, bzw. je unreifer sein Gehirn, desto mehr ist es auf einen fürsorglichen, beschützenden und Orientierung bietenden Erwachsenen angewiesen, da ihm noch grundlegende zum Überleben notwendige Fähigkeiten und Kenntnisse fehlen. Die große Anpassungsfähigkeit des Menschen, die auf der Plastizität seines Gehirns beruht, hat den Preis, dass menschliche Kinder viel länger unselbstständig und somit gefährdet sind, als jedes andere Säugetierjunge. Parallel mit dieser Evolution des Gehirns ging deshalb die Evolution des Bindungssystems, einher das wir mit allen Säugetieren teilen.
Dieses angeborene Verhaltenssystem sorgt dafür, dass einerseits Erwachsene instinktiv mit fürsorglichem Verhalten auf Kinder reagieren und Kinder andererseits die Nähe von Erwachsenen suchen und ihr Verhalten an ihnen ausrichten.


Neufeld bezeichnet die beiden unterschiedlichen Verhaltenssysteme des Bindungsbereichs als Abhängigkeits- und Alpha- bzw. Fürsorgeinstinkt und betont deren hierarchische Natur. Dies ist das am häufigsten missverstandene und fehlinterpretierte Konzept Neufelds. Dass die menschliche Bindung grundsätzlich hierarchisch funktioniert, bedeutet weder, dass Eltern autoritär sind oder sein sollten, noch schließt es gleichberechtigte Beziehungen aus.
Man kann sehr leicht anhand seiner eigenen Beziehungen überprüfen, dass dies stimmt. Betrachtet man Partnerschaftskonflikte, so kann man meistens feststellen, dass die Hierarchie gestört ist. Treffen zwei Menschen im Alphamodus aufeinander, so wollen beide bestimmen wo es lang geht . Solange sie übereinstimmen kann das gut gehen, sind sie unterschiedlicher Meinung, kommt es zum Streit. Umgekehrt wird es auch dann schwierig, wenn zwei Menschen gerade bedürftig sind und diese Fürsorge bei ihrem Partner suchen. Gleichberechtigte Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Bindung zwar in jedem Moment hierarchisch ist, die Rollen aber ständig getauscht werden. Schaut man sich in seinem Umfeld um, so wird man auch Partnerschaften entdecken, in denen das nicht der Fall ist und die Rollen starr verteilt sind.
Neufeld betont immer wieder, wie wichtig es ist, dass Erwachsene Kindern gegenüber in diesem fürsorglichen Alphamodus bleiben, damit das Kind im Abhängigkeitsmodus bleiben kann, was für seine Entwicklung und sein Lernen von großer Bedeutung ist.




Der Alphamodus
Die fürsorgliche Alpharolle zu erfüllen bedeutet….

…Dominanz zu behaupten
z.B. Führung übernehmen / lenken / Befehle geben / Unterordnung einfordern /Aufmerksamkeit erhalten / vorangehen / Bescheid wissen / Antworten liefern / Interaktionen lenken / das letzte Wort haben

…Verantwortung zu übernehmen
z.B. alles funktionieren lassen für…./ sich schuldig fühlen, wenn…/ sich schlecht fühlen, wenn…/ alles in Ordnung bringen für…/ es besser machen für…./ Gewissensbisse haben für/ Opfer bringen für…

…für bzw. sich um andere zu sorgen
z.B. besorgt sein um…./ helfen / die Last tragen von…./ unterstützen/ Bedürfnisse erfüllen von…/ liefern was gebraucht wird

Spart man die zwei letzten Aspekte aus und beschränkt sich auf reines Dominanzverhalten, so wird aus der fürsorglichen Alpharolle die Rolle eines Despoten,Tyrannen, Unterdrückers oder Mobbers…..Dieses ausschließlich autoritäre Verhalten tut dem Gegenüber natürlich in keiner Weise gut und liefert nicht den sicheren Hafen, den Kind zu seiner Entwicklung braucht.

Die Bindungspolarität
Evolutionär gesehen hat die Entwicklung des Bindungsverhaltens den Hintergrund, dafür zu sorgen, dass Kinder, die noch nicht in der Lage sind selbstständig zu überleben, sich an den für sie verantwortlichen Erwachsenen orientieren. Dadurch lernen sie quasi automatisch, was sie zum künftigen selbständigen Überleben in der entsprechenden Gesellschaft brauchen.
Damit ihre Orientierung nicht gestört wird, hat sich auch eine ‘dunkle Seite’ des Bindungsverhaltens entwickelt, die Kinder vor fremder Einflussnahme schützt. Zu jeder Verhaltensweise aus dem Bindungsverhaltensrepertoirs gibt es ein entsprechend ablehnendees ‘Gegenverhalten’, das auf Fremde bezogen wird:
bindungspolaritaet

Sieht man sich die dunkle Seite an, so erkennt man dort viele Verhaltensweisen, die von Erwachsenen im Umgang mit Kindern als respektlos, ungehörig oder frech bezeichnet werden. Biologisch gesehen handelt es sich dabei allerdings um ein sinnvolles, angeborenes Verhalten, das Kinder vor Fremden schützen soll. Dass es gelegentlich auch gegenüber Bekannten wie Lehrern oder sogar Eltern gezeigt wird, lässt sich so erklären, dass Kinder nicht immer automatisch im Bindungsmodus sind und dass man aus der Alphaposition heraus die Bindung immer wieder aktivieren muss, wenn man in Interaktion treten will. Neufeld hat dazu den einprägsamen Satz “Bindung vor Weisung” geprägt.

Bindungsaktivierung
Der Mensch ist ein soziales Wesen, das zumindest evolutionär gesehen, alleine nicht überlebensfähig wäre.Daher hat die Evolution dafür gesorgt, dass Grundlegendes aus dem Bereich des Bindungsverhaltens angeborener Weise vorhanden ist. Es steht daher jedem intuitiv bzw. instinktiv zur Vefügung.

Dazu ghört auch die Bindungsaktivierung.
Jeder tut es normalerweise automatisch, ohne dass er darüber nachdenkt: Trifft man einen anderen Menschen, so begrüßt man ihn üblicherweise mit Herstellen des Augenkontakts, Lächeln und oft ein bisschen “Smalltalk”, in dem man versucht eine Zustimmung vom Gegenüber zu bekommen und sei es nur zur Bewertung des aktuellen Wetters.
Von diesem unspektakulären Einstieg hängt es ab, wie der weitere Kontakt aussehen wird. Erwidert zum Beispiel das Gegenüber das Lächeln nicht, oder weicht dem Augenkontakt aus, spürt man sofort eine Ablehnung und erwartet dann auch keine positiven weiteren Interaktionen.
Im Umgang mit Kindern vergisst man häufig diese grundlegenden ‘Umgangsformen’, was dann unweigerlich dazu führt, dass sich die Kinder im folgenden Kontakt häufig nicht wie gewünscht verhalten.
Neufeld hat es in eine einfache Formel gepackt:

Versuchen Sie die Augen, ein Lächeln und ein Nicken des Gegenübers zu bekommen, bevor Sie Anweisungen oder Bitten aussprechen. Das Gehirn wird dadurch in den Bindungsmodus versetzt. In diesem Modus ist man geneigt, dem Gegenüber einen Gefallen zu tun und seine Bitte oder Anweisung zu befolgen.

Neufeld beschreibt die psychlogische Entwicklung in drei voneinander unabhängigen Prozessen, für deren Ablauf unterschiedliche Bedingungen erforderlich sind.

Die Emergenzentwicklung, die in der Psychologie oft auch als Individuation oder Persönlichkeitsentwicklung bezeichnet wird, führt dazu, dass ein Mensch eine eigenständige, unabhängige Persönlichkeit entwickelt. Dies ist die Basis für die Ausprägung eigener Interessen, der Neugier und die Wurzel von intrinsischer Motivation, Originalität und Kreativität.

Die Entwicklung der Adaptionsfähigkeit entspricht in etwa der Entwicklung von Resilienz, der Fähigkeit sich auch an widrige Umstände anzupassen, ohne dabei größere seelische Wunden davonzutragen. Neuronales Korrelat ist die häufig zitierte Neuroplastizität, die lebenslange Fähigkeit des Gehirns, sich neu bzw. anders zu „verdrahten“. Allgemein könnte man sagen Adaption ist die Fähigkeit, sich durch Umstände verändern zu lassen, die nicht zu ändern sind.

Integration ist der dritte und letzte dieser Entwicklungsprozesse. Seine „Früchte“ sind die Fähigkeiten zur Emotionsregulation, Impulskontrolle, kognitiven Dissonanz, moralischem Handeln, Toleranz, Fairness etc.

Die Persönlichkeitseigenschaften, Fähigkeiten oder Kompetenzen, die im Rahmen dieser drei Entwicklungsprozesse heranreifen, lassen sich nicht erlernen oder durch eine entsprechende Erziehung herbeiführen, wenn die entsprechende Entwicklung noch nicht abgelaufen ist. Folglich können sie dann auch nicht in der Schule gelehrt werden oder von Schülern eingefordert werden.

Eine Vielzahl der typischerweise in der Schule auftretenden Probleme lässt sich auf eine Verzögerung oder sogar Blockade dieser Entwicklungsprozesse zurückführen, die zu einem Fehlen der alterstypischen Fähigkeiten und Kompetenzen führt. Der übliche schulisch-disziplinarische Umgang mit diesen Problemem führt daher in der Regel eher zu einer Verschärfung und nur selten zu einer Verbesserung der Lage.

Das Ablaufen der drei verschiedenen Entwicklungsprozesse ist jeweils an unterschiedliche Bedingungen geknüpft:

Emergenz
Die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit erfordert die Beschäftigung des Gehirns mit sich selbst. Solange die Aufmerksamkeit auf äußere Reize gerichtet ist, kann diese Entwicklung nicht ablaufen.
Sie ist evolutonär gesehen ein Luxus-Prozess, der erst abläuft, wenn die Umgebung sicher, das Überleben also nicht in Gefahr ist, keine Aufgabe zu erledigen sind und keine Ablenkungsmöglichkeiten vohanden sind.

Für Kinder ist eine sichere Umgebung untrennbar mit dem Vorhandensein von sicher gebundenen, fürsorglichen Erwachsenen verknüpft. Weitere wichtige Voraussetzung für den Entwicklungsprozess ist die Abwesenheit äußerer Ablenkungsfaktoren, wie zum Beispiel Computerspiele, Musik etc.. Perfekt ist also eine Situation, die Kinder häufig als langweilig bemängeln und die viele zu vermeiden versuchen, weil sie zunächst mit unangenehmen Gefühlen verbunden sein kann. . Ist ein Kind lange genug dieser Langeweile ausgesetzt, so hat das Gehirn Gelegenheit kreativ zu sein, das Kind kann überlegen, was ihm Spaß machen könnte, was es tun könnte … Es beginnt sich selbst zu beschäftigen. Diese Phasen sind auch wichtig, um Erlebtes zu erinnern und zu ntegrieren, was zur Entwicklung eines Selbstbild wichtig ist. Neufeld nennt diese Art der Beschäftigung, die ohne äußeren Anweisungen oder Regeln abläuft, emergentes Spielen. In der Pädagogik wird es häufig als freies Spielen bezeichnet. Es ist vergleichbar mit dem Spielen aller jungen Säugetieren. Aus Tierexperimenten weiß man, dass diese Art des Spielens eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung eines normalen, art-typischen Verhaltens hat. Hindert man Säugetier-Kinder am Spielen, entwickeln sie Verhaltensauffälligkeiten.

Dieses freie Spiel, sowohl alleine als auch gemeinsam mit anderen, ist der von der Evolution vorgesehene Weg, wie ein Kind sich, seinen Körper und seine Selbstwirksamkeit kennenlernt.
Remo Largo (in Gebauer/ Hüther 2003), ein bekannter Schweizer Kinderarzt und Fachbuchautor, formuliert zum Spielen: “Das Spiel wurzelt in dem genuinen Bedürfnis des Kindes, sich mit seiner sozialen und materiellen Umwelt vertraut zu machen, sie zu begreifen und auf sie einzuwirken. Die treibenden Kräfte sind seine Neugier und Eigenaktivität”.
Untersuchugen zeigen dass man diese emergente Entwicklung bei Kindern nicht beschleunigen kann. Wenn Erwachsene sich in das konzentrierte Spiel von Kindern einmischen und Impulse geben, verlieren die Kinder sehr schnell die Lust am Spielen. Das Wesen des emergenten Spiels und später der emergenten Beschäftigung ist, dass sie ausschließlich aus einem von innen kommenden Impuls verursacht wird. (=> intrinsische Motivation)

Hat ein Kind eigene Interessen entwickelt und ist es grundsätzlich neugierig, so wirkt sich das auch auf seine Aufmerksamkeit aus. Aufmerksamkeit und Interesse sind stark miteinander verknüpft. Aufmerksamkeit ist das Ergebnis eines Ausfilterungsprozesses im Gehirn. Das Gehirn wird in jedem Moment mit einer riesigen Menge an Informationen versorgt, die über alle Sinnesorgane und Rezeptoren im Körperinneren, Auskunft über die Lage in der Welt außen und im Körperinneren geben. Das Bewusstsein ist allerdings nicht dafür ausgestattet eine solche Informationsmenge aufzunehmen. Es verfügt nur über eine sehr kleine Kapazität. Im Vergleich mit einem Computer könnte man vom Arbeitsspeicher sprechen. Psychologisch nennt man es Arbeitsgedächtnis. Da nur ein winziger Bruchteil aller einlaufenden Informationen bewusst erfassbar ist, muss es einen effizienten, unbewussten Filtermechanismus geben, der die wesentlichen, wichtigen, bedeutsamen Informationen in jedem Moment erkennt und ins Bewusstsein dringen lässt , während alle anderen unbewusst bleiben.
Bei diesem Sortierprozess spielen Gefühle und abgespeicherte Erfahrungen die zentrale Rolle. Eigene Interessen wirken hier wie eine Filtervoreinstellung und bewirken, dass sich die Aufmerksamkeit automatisch auf alles richtig, was damit zu tun hat. Auch Neugier ist eine solche Filtervoreinstellung, die bewirkt, dass sich die Aufmerksamkeit automatisch auf alles richtet, was neu ist.

Kinder deren Emergenzentwicklung blockiert ist, sind weder neugierig noch haben sie eigene Interessen. Sie brauchen einen Teil ihres Arbeitsgedächtnisses dafür, den Willen aufrecht zu erhalten sich z.B. auf den Unterricht zu konzentrieren. Dadurch steht ihnen nur ein kleinerer Teil des Arbeitsgedächtnisses zur Verfügung, um sich mit den eigentlichen Inhalten auseinanderzusetzen, was das Lernen grundsätzlich erschwert. Das aktive Lenken der Aufmerksamkeit auf als nicht interessant bewertete Inhalte ist zudem sehr energieaufwendig und kann daher nur für kurze Zeit aufrecht gehalten werden. Bei Hunger, Durst, Müdigkeit oder anderen körperlichen Mangelzuständen ist dies grundsätzlich nicht möglich. Dies führt bei nicht-emergenten Kindern häufig zu Symptomen die in der Diagnose AD(H)S münden. Die folgende Übersicht zeigt eine Zusammenstellug aller Fähigkeiten und Kompetenzen, die als Ergebnis der Adaptionsentwicklung zu erwarten sind:
emergenz
Adaption
adaption Der Vorgang der Adaption lässt sich am besten anhand des Frustrationskreisels von G. Neufeld erklären.
Frustration tritt immer dann auf, wenn man ein angestrebtes Ziel nicht erreicht. Physiologisch ist dieser Zustand verknüpft mit einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems, die den Körper in den sogenannten Kampf- oder Fluchtmodus versetzt. Dadurch wird der Körper in einen leistungsfähigeren Zustand versetzt, wodurch die Anstrengung , die Situation wie gewünscht zu verändern verstärkt werden kann, was häufig den angestrebten Wandel herbei führt. In diesem Fall würde das Gefühl der Frustration verschwinden und der Körper würde wieder in den parasympathischen Entspannungszustand zurückkehren können.

Es gibt aber viele Situationen, die sich nicht wie gewünscht verändern lassen, egal wie sehr man sich auch anstrengt. Mögliche Vergeblichkeiten sind zahlreich in jedem Leben z.B. der Verlust eines geliebten Menschen, die Unmöglichkeit des Erzwingens des Geliebtwerdens von einem anderen Menschen oder auch nur einen Fehler rückgängig zu machen.
Ist eine Situation nicht zu ändern, muss man sich selbst ändern, um loslassen zu können und sich anderen Dingen zuwenden zu können. Dieser Vorgang, sich an die vorhandenen Umstände anzupassen, wird Adaption genannt und ist die Grundlage der Resilienz, der Fähigkeit auch widrige Umstände ohne bleibende seelische Schäden überstehen zu können.
Dabei schaltet das vegetative Nervensystem aus dem sympathischen Kampfmodus in den parasympathischen Entspannungsmodus, der eine plastische Veränderung im Gehirn möglich macht, die zum Abfinden mit den Gegebenheiten führt.

Voraussetzung für Adaption ist die emotionale Wahrnehmung der Vergeblichkeit, was zu einem Gefühl der Trauer führt. Dies ist vor allem für kleine Kinder ein bedrohliches Gefühl. Wird es zu stark, verfügt das Gehirn über diverse Schutzmechanismen um dieses Gefühl nicht wahrnehmen zu müssen.

aggression In diesem Fall bleibt der Körper jedoch im Kampfmodus. Dieser neuronale Erregungszustand kann nun nur dadurch beendet werden, in dem der Körper aktiv wird, zum Beispiel durch eine aggressive Handlung. Die Frustrationsursache ist damit aber nicht beseitigt, wodurch sich der Kreis schließt und sich aggressives Verhalten etablieren kann.
Da Babies und Kleinkinder noch nicht über die Fähigkeit zur eigenen Emotionsregulation verfügen, müssen die betreuenden Erwachsen diese Aufgabe übernehmen, um zu verhindern, das die emotionalen Schutzmechanismen ausgelöst und somit die Adaptonsfähigkeit behindert wird.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Kinder nicht abgelenkt werden oder man ihren Willen erfüllt, um die Ursache der Frustration zu beseitigen, sondern, dass man sie mit der Vergeblichkeit ihres Wunsches konfrontiert, sie aber gleichzeitig liebevoll tröstet, um die Trauergefühle aushaltbar zu machen. Die Kinder erfahren so die Erleichterung, die der Trauerprozess und die damit verknüpfte Adaption mit sich bringt und enwickeln dadurch die Fähigkeit zur eigenen Emotionsregulation und somit Resilienz, so dass sie mit zunehmendem Alter auch immer besser mit Frustrationen umgehen können und aggressive Ausbrüche immer seltener werden.

Auch die mit zunehmendem Alter immer bessere Hirnintegration der präfrontalen Hirnbereiche trägt dazu bei, dass Kinder mit zunehmendem Alter besser in der Lage sind, ihre aggressiven Impulse zu zügeln.

Aber auch bei Kindern mit noch unreifen, noch nicht integrierten Gehirnen kann es sein, dass sie nicht offen aggressiv auf Frustration reagieren, wenn sie nicht adaptieren. Bestraft man nämlich Kinder für ihr aggressives Verhalten, so kann es sein, dass die Angst vor dieser Strafe das aggressive Verhalten verhindert. Bei nicht integrierten Kindern wird das Verhalten generell immer von dem stärksten vorherrschenden Gefühl gesteuert. Ist die Angst vor der Strafe also größer, als der aggressive Impuls, so werden sie nicht aggressiv reagieren. Allerdings funktioniert das nur in Situationen, in denen sie mit Bestrafung rechnen müssten.
Von außen gesehen zeigen diese Kinder zunächst einmal ein besser angepasstes Sozialverhalten. Das Problem bei nicht ablaufender Adaption ist allerdings, dass die Frustration bestehen bleibt, dass es also sehr wahrscheinlich zu einem Zustand der Dauerfrustration kommt. Fällt die Möglichkeit der Energieabfuhr durch aggressives Verhalten nach außen weg, so können autoaggressives Verhalten oder Depressionen mögliche Lösungen sein. Die folgende Übersicht zeigt eine Zusammenstellug aller Fähigkeiten und Kompetenzen, die als Ergebnis der Adaptionsentwicklung zu erwarten sind: adaption-2
Intergration
Integration ist ein Vorgang, der im Gehirn abläuft und der auf neuronaler Ebene vereinfacht ausgedrückt in der Zusammenschaltung verschiedener Hirnfunktionsbereiche beruht. Dies passiert im motorischen, sensorischen, emotionalen und im kognitiven Bereich.
Beim neugeborenen Mensch sind noch viele Hirnbereiche funktionell komplett voneinander isoliert und viele Bereiche sind noch völlig ohne jede Funktion.
Besonders gut erkennbar ist dies im motorischen Bereich. Die Bewegungen eines Neugeborenen, sind bis auf einige angeborene Reflexe, noch völlig unkoordiniert. So ist z.B. das Schielen völlig normal.
Sinn dieser Unverbundenheit ist es, zunächst einmal die ungestörte Entwicklung/Verschaltung der einzelnen, isolierten Funktionsbereiche durch die erfahrungsbedingtes Lernen/Üben zu ermöglichen. Erst wenn diese untersten Einheiten einigermaßen funktionsfähig sind, werden sie mit anderen ebenfalls funktionsfähigen Einheiten zusammengeschaltet, wobei sich dann eine höhere Funktion mit neuen Fähigkeiten ergibt.

So ist es zum Beispiel so, dass Säuglinge immer nur einen Sinn in jedem Moment wahrnehmen können, weshalb man lange glaubte, Säuglinge würden keinen Schmerz empfinden. Sie sehen zu Beginn nur das Bild, das von einem der beiden Augen kommt. Erst wenn sich die Sehrindenbereiche beider Augen getrennt ausreichend verknüpft haben, werden beide Bereiche miteinander verschaltet, wodurch die neue Qualität des Tiefen-/Entfernungssehens ermöglicht wird. Parallel dazu verläuft die motorische Entwicklung der der Areale für die Augenmuskeln, so dass in den meisten Fällen das Schielen endet, wenn die Areale miteinander verschaltet werden und so eine Bewegungskoordination beider Augen möglich wird.

Auch auf kognitiver Ebene laufen solche Prozesse ab. Gut nachvollziehbar wird das bei der Sprachentwicklung:
ausgehend von der Wahrnehmung ausschließlich von Lauten, folgen Silben, dann Worte inkl. des Verständnis ihrer Bedeutung, dann die Bedeutung zweier oder mehr Worte im Zusammenhang, später einfache Sätze und dann ein immer komplexeres, abstrakter werdendes Sprachverständnis, bei dem immer weitere „höhere“ Hirnbereiche sozusagen online geschaltet werden.
Das Motto einer gelungenen Intergration könnte man als „Gemeinsamkeit ohne Verlust von Eigenständigkeit“ beschreiben. Auch im sozialen Bereich passiert diese Integration. Die für das Sozialverhalten und moralisches Bewerten zuständigen Hirnbereiche reifen als letztes. Mittlerweile geht man davon aus, dass dies erst im dritten Lebensjahrzehnt passiert aber eine Weiterentwicklung zeitlebens erfolgen kann.
Dies macht Sinn, wenn man dem Motto folgt. Eine erfolgreiche soziale Integration ohne den Verlust der Eigenständigkeit ist nur möglich, wenn die eigene Persönlichkeit ausreichend gereift ist. Nur wenn man schon eine eigene Meinung und eigene Interessen entwickelt hat, ist man in der Lage, sie von denen der anderen zu unterscheiden und eine Haltung zu entwickeln. Ansonsten besteht die Gefahr der Mischung. Das hieße, dass man Fremdinteressen nicht von den eigenen unterscheiden kann und somit leicht beeinflussbar und manipulierbar ist, wie das für kleinere Kinder zutrifft.
Erst die erfolgreiche Integration bestimmter Hirnbereiche macht es möglich, dass Kinder aggressive Impulse von sich aus unterdrücken, auch ohne Angst vor Strafe, dass sie die unmittelbare Befriedigung ihrer Bedürfnisse zurückstellen können, um ein in der Zukunft gelegenes Ziel zu erreichen. Auch das wirkliche Verständnis von Fairness oder Gerechtigkeit ist eine Frucht der Integration. Nur wenn das Hirn in der Lage ist, gleichzeitig die Bedürfnisse mehrere Personen wahrzunehmen, ist es möglich einen Kompromiss zu akzeptieren, der zwar nicht unbedingt den eigenen Bedürfnissen entspricht, aber der Mehrheit gerechter wird. Für unreife Kinder und Jugendliche ist unfair ein Synonym für ihren nicht erfüllten Willen.

Vor diesem Hintergrund ist es offensichtlich, dass man Kinder zum Beispiel nicht zur Demokratie erziehen kann, in denen man schon von klein auf, alle Entscheidungen mit Ihnen diskutiert und sie selbst möglichst alles entscheiden lässt. Da sie aufgrund ihrer Gehirnfunktionen noch gar nicht in der Lage sind, die verschiedenen Konsequenzen von Entscheidungen gegeneinander abzuwägen, entscheiden sie notgedrungen immer aus dem Moment heraus, orientiert an dem aktuell stärksten Bedürfnis, was für weitreichende zukunftsrelevane Entscheidungen eine schlechte Grundlage ist.

Der zeitliche Ablauf der Integration folgt einem biologischen, genetisch festgelegten Zeitplan, der nicht beschleunigt, dagegen aber durch ungünstige Umstände verlangsamt bzw. ganz gestoppt werden kann. Fordert man also von Kindern Fähigkeiten, die das Ergebnis von Integration sind, so fördert man sie nicht, sondern überfordert sie eher, was Stress verursacht, der grundsätzlich hinderlich für die Hirnreifung ist.

Auch die Emotionsregulation und Impulskontrolle sind Fähigkeiten, die durch Integration entstehen. Voraussetzung dafür sind zuerst die getrennte Wahrnehmung einzelner Emotionen. Daher fühlen Kinder immer nur ein Gefühl. Sie sind ganz glücklich, ganz traurig, ganz wütend etc. Erst die Integration der Gefühle führt dann zur Fähigkeit von gemischten Gefühlen. Das heißt z.B. die Freude am Gewinn eines Spiels wird getrübt durch die gleichzeitige Wahrnehmung der Trauer des Verlierers. Dies macht das Leben komplizierter, weil man häufig sich widersprechende Gefühle und Impulse spürt und es die daraus resultierende Amibvalenz schwerer macht, Entscheidungen zu treffen.
Die folgende Übersicht zeigt eine Zusammenstellug aller Fähigkeiten und Kompetenzen, die als Ergebnis der Integrationsentwicklung zu erwarten sind: integration
Typische Anzeichen für eine verzögerte oder sogar stagnierende Entwicklung können folgende Probleme sein:

probleme-bei-entwicklungsblockade
gefuehle-als-grundlage-der-entwicklungDie Entwicklung des kindlichen Gehirns läuft unter optimalen Bedingungen nach einem genetisch vorgegebenen Zeitplan ab. Unter weniger optimalen Bedingungen kann es zu erheblichen Entwicklungsverzögerungen kommen, wie die moderne Hirnforschung mit ihren bildgegebenden Verfahren zeigen konnte. Neufeld weist bestimmten Emotionen die Funktion als Motor für seine drei unterschiedlichen Entwicklungsprozesse zu. So kann die Emergenzentwicklung nur ablaufen, wenn alle grundsätzlichen Basisbedürfnisse erfüllt sind und diese Erfüllung auch bewusst als Gefühl wahrgenommen wird. Die Adaption dagegen passiert nur, wenn das Gefühl der Vergeblichkeit und damit verbunden die Trauer wahrgenommen wird und die Integration erfordert das gleichzeitige Wahrnehmen zweier oder mehrerer verschiedener u.U. auch sehr widersprüchlicher Gefühle, also die Wahrnehmung von Dissonanz.
Eine Besonderheit weist die Emergenzwentwicklung auf, die es ermöglicht, dass eine Persönlichkeitsentwicklung auch unter widrigen Bedingungen, bei denen Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, ablaufen kann: Wird die Vergeblichkeit der Bedürfniserfüllung gefühlt und betrauert, so kann über den Umweg über die entsprechende Adaption an die Umstände, trotzdem die Emergenzentwicklung ablaufen.

Da die Fähigkeit zur Regulation von Gefühlen ein Ergebnis der Integration des Gehirns ist, verfügen kleine Kinder noch nicht über diese Fähigkeit und die Bezugspersonen müssen diese Aufgabe quasi extern übernehmen. Nun haben leider nicht alle Kinder Bezugspersonen, die in der Lage sind, diese externe Gefühlsregulation zu leisten. Diese Kinder werden daher von ihren Gefühlen überflutet, was sich für sie wie eine existenzielle Bedrohung anfühlt und als Dauerzustand von Körper und Gehirn nicht ohne Schäden aufrecht erhalten werden könnte. Im Laufe der Evolution haben sich daher verschiedene Schutzmechanismen entwickelt, die einem Kind auch ohne beschützende, fürsorgliche und einfühlsame Erwachsenen und unter den widrigsten Bedingungen, ein Überleben ermöglichen. Alle diese Schutzmechanismen haben als Ziel, überwältigende Gefühle zu vermeiden. Der Preis dafür ist allerdings das Stagnieren der Entwicklungsprozesse, deren Motor durch das Ausblenden der Gefühle zum Stehen gebracht wird.

Neufeld unterscheidet drei unterschiedliche Schutzmechanismen:

1. Gefühlsausblendung
Die erste Stufe des Schutzes besteht darin die Gefühlswahrnehmung einfach auszuschalten, wenn die Gefühle akut zu stark werden. Das ist das, was passiert, wenn jemand unter Schock steht. Diese Gefühlsausblendung betrifft alle Gefühle, auch körperliche. Sie ermöglicht es, sogar mit schwersten Verletzungen noch handlungsfähig zu bleiben. Normalerweise handelt es sich dabei um einen temporären Schutz, der nur so lange wirkt, bis man sich sozusagen aus der Gefahrenzone entfent hat und wieder in einer sicheren Umgebung ist. Dann kehrt die Gefühlswahrnehmung im vollen Umfang wieder zurück. Gibt es jetzt für ein Kind aber keine sichere Umgebung, dann kann diese Gefühlsausblendung zum Dauerzustand werden und die Entwicklungsprozesse kommen als Folge zum Stillstand.
2. Wahrnehmungsausblendung
Diese zweite Stufe blendet alle äußeren Wahrnehmungen aus, die zu starke Gefühle hervorrufen würden. Man wird sozusagen blind für alle verletzenden Äußerungen des sozialen Umfeldes, für Zurückweisungen, für Demütigungen etc. aber auch für Gefahren, da auch angstauslösende Reize ausgeblendet werden. Auch dieser Schutz ist, wenn er temporär einsetzt überlebensfördernd. Er ermöglicht es uns, in einer feindlichen oder gefährliichen Umgebung zu „funktionieren“. Gibt es jedoch keine sichere Umgebung für einen Menschen, so kann auch dieser Schutzmechanismus zur Dauereinrichtung werden und die Entwicklungsprozesse behindern. Menschen,die diesen Schutzmechanismus aktiviert haben, erkennt man leicht daran, dass sie für subtile Zeichen unempfindlich sind. Blickt man zum Beispiel während eines Gesprächs auf die Uhr, um zu signalisieren, dass man keine Zeit mehr hat und das Gespräch beenden will oder meidet den Blickkontakt, um die Gesprächssituation zu beenden, so reden diese Menschen unbeeindruckt immer weiter. Man kann dieser Situation dann oft nur entkommen, indem man das Gegenüber einfach unhöflich stehen lässt. Kinder mit diesem Dauerschutz werden so leicht zu Mobbingopfern, weil sie die subtlie Zeichen des nicht erwünscht Seins nicht wahrnehmen können und so das Gegenüber zu zunehmender Deutlichkeit zwingen.
3. Defensive Bindungsabwehr
Der dritte und letzte Schutzmechanismus zur Vermeidung überwältigender Gefühle betrifft das Bindungsverhalten. Die stärkste emotionale Verletzungsgefahr geht von den Menschen aus, die uns am nächsten sind, für die wir eigentlich die stärksten positiven Gefühle haben. Geht von einer solchen Bindungsperson ein verletzendes Verhalten aus, so werden die Gefühle der Bindung nicht nur ausgeblendet, sondern umgekehrt. Man lehnt die Bindungsperson ab. Bei kleinen Kindern kann an das beobachten, wenn sie z.B.von der Mutter zu lange alleine gelassen wurden. Kehrt die Mutter zurück, freut sich das Kind dann nicht, sondern reagiert aggressiv gegen die Mutter und schlägt sie z.B.. Kinder die diesen Schutzmechanismus dauerhaft aktiviert haben, suchen eher die Nähe von Fremden, als die ihrer Bezugspersonen. Evolutionär könnte das so zu erklären sein, dass die Überlebenschancen eines Kindes größer sein könnten, wenn es sich Fremden anschließt, wenn seine eigenen Bezugspersonen nicht gut mit ihm umgehen.

Ein weiterer Schutzmechanismus das Bindungverhalten betreffend, ist das dauerhafte Wechseln in den sogenannten Alphamodus (defensives Alpha, s. Abschnitt über Bindung).Neufeld unterscheidet zwei verschiedene Arten von Bindunngsverhalten: Zum einen das abhängige Bindungsverhalten, wie es für Kinder, Erwachsenen gegenüber normal ist. Dieses Verhalten ist darauf ausgerichtet die Nähe zu einem fürsorglichen Erwachsenen zu suchen, wo das Kind alles zum Überleben Wichtige findet. Der andere Bereich des Bindungsverhaltens wird von Neufeld Alphaverhalten genannt. Es ist wie das abhängige Verhalten angeboren und wird normalerweise in Gegenwart von schutzbedürftigen Lebewesen wie z.B. Kindern ausgelöst. Zum Alphaverhalten gehört Fürsorglichkeit, Versorgung, Schutz, Orientierung geben etc.. Wechselt ein Kind in den defensiven Alphamodus, wirkt es von außen gesehen sehr autonom und selbstständig, ist aber durch Erwachsene nicht mehr beeinflussbar. Da ein Kind sich aber nicht selbst schützen oder sich orientieren kann, bedeutet dieser Zustand eine Überforderung, der nur durch Gefühls- und Wahrnehmungsausblendungen ertragen werden kann, wodurch auch hier die Entwicklung blockiert wird. Dazu gehört, keine Orientierung von Außenstehenden anzunehmen. Daher ist in diesem Zustand ein Lernen von anderen Menschen, z.B. in der Schule, kaum möglich.


Es lässt sich nicht objektiv beschreiben, welche Bedingungen bei einem einzelnen Kind dazu führen, dass diese emotionale Schutzmechanismen zur Dauereinrichtung werden und somit seine Entwicklung blockieren, da dies auch von der Sensibilität des Kindes abhängt, die sowohl durch genetische aber auch durch Erfahrungen vor, während und nach der Geburt bestimmt wird und daher bei jedem Kind anders ist. Bei hoch sensiblen Kindern können schon, von außen gesehen harmlose Umstände, ein zu viel an Gefühlen verursachen und somit die Schutzmechanismen auslösen. Tatsache ist, dass die Zahl der Kinder mit Entwicklungsverzögerungen stark zugenommen hat. Da das kindliche Verhalten durch sein Gehirn bestimmt wird, ist klar, dass sich ein Kind mit einem nicht altersgemäß entwickelten Gehirn nicht erwartungsgemäß verhalten kann, wodurch sich viele Probleme ergeben können.
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gordon-neufeld
Der kanadische Entwicklungspsychologe Dr.Gordon Neufeld arbeitet seit über dreißig Jahren mit Kindern und den für sie verantwortlichen Erwachsenen.

Er gibt seine Erfahrung mittlerweile weltweit in Vorträgen und Seminaren weiter und veröffentlicht Bücher sowie DVDs mit Vorträgen und Schulungen.
Neufeld arbeitete mehrere Jahre im Gefängnis mit jugendlichen Gewaltverbrechern,
hat 13 Jahre lang an der University of British Columbia als Professor gelehrt und war viele Jahre in eigener therapeutischer Praxis tätig.
Inzwischen konzentriert er sich auf die Weitergabe seines Wissens und die Schulung von Eltern und beruflich mit Kindern Tätigen in der hilfreichen Anwendung der von ihm gewonnenen Erkenntnisse über Bindung.

Zur weiteren Information hier einige Links:
Video zum Thema Disziplin
Video zum Thema Erziehung in einer digitalen Welt
Manuskript zu einer Lehrerfortbildung von Gordon Neufeld, Schillerschule Offenbach, 2008
Buch: Der Neufeld-Ansatz für unsere Kinder. (Kurzfassung des Neufeld-Ansatz)

Für Fragen zur praktischen Anwendung des Neufeld-Ansatz oder für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Frau Lempert

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Sozialpsychologie: Warum Vorbilder für Frauen wichtig sind

Als der Actionfilm "Wonder Woman" im Juni 2017 in die deutschen Kinos kam, waren viele hellauf begeistert: endlich mal wieder ein Blockbuster mit einer Superheldin in der Hauptrolle! "Es ist absolut unglaublich, welchen Einfluss Identifikationsfiguren haben", stellte die deutsche Schriftstellerin Julia Bähr dazu in ihrem Blog fest.


Vater mit Depression - PSYLEX.de

Update * Depressivität bei Heranwachsenden mit der D. des Vaters verknüpft * Väter und ihre Depressionen können das Verhalten und die Emotionen der Kinder beeinflussen. Neue Forschungen auf den Gebieten: Psychische Krankheiten - Verhaltenspsychologie, Eltern.


Erwachsenwerden ist schwer

Hintergrund: Die Pubertät ist durch viele biologische, psychische und soziale Veränderungen charakterisiert. In dieser Lebensphase beträgt die Prävalenz gravierender psychischer Störungen etwa 10 %. Methoden: Übersichtsartikel basierend auf einer selektiven Literaturrecherche zu Prävalenzraten, Ursachen, Risikofaktoren und Auswirkungen psychischer Erkrankungen in der Adoleszenz Ergebnisse: Introversive psychische Störungen sind bei Mädchen häufiger.


Hirnentwicklung in der Adoleszenz

Hintergrund: Die Adoleszenz beschreibt den Lebensabschnitt zwischen der späten Kindheit und dem Erwachsenenalter. Diese Lebensphase ist geprägt durch die Suche nach Abwechslung, neuen Erlebnissen und starken Gefühlen, verbunden mit einem hohen Gesundheitsrisiko. So machen in Deutschland tödliche Verletzungen 62 % aller Todesfälle bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren aus.


ADHS bei Kindern: Verzögerte Hirnentwicklung

PP 7, Ausgabe Januar 2008, Seite 38 Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben eine um mehrere Jahre verzögerte Entwicklung in bestimmten Großhirnbereichen, die sie einer Studie in den US-amerikanischen „Proceedings of the National Academy of Sciences" (online) zufolge jedoch später aufholen.

Verhalten

Verhaltensprobleme, Verhaltensstörung bei Kindern, Jugendlichen - PSYLEX.de

Update * Gehirnanomalien bei Jugendlichen mit Verhaltensproblemen * Hat mein Kind eine Verhaltensstörung? * News und Forschungsartikel, die sich mit Verhaltensproblemen bei Kindern beschäftigen.


Wenn Ziele, dann richtig

Psychologen der Universität Konstanz untersuchten in einer Metaanalyse die Wirkung von sogenannten „Wenn-Dann-Plänen".


Kinderpsychiater über Verhaltensauffälligkeiten - Warum Eltern und Kinder ihre innere Ruhe wiederfinden sollten

Die Kirchen hätten beim Umgang mit Vielfalt eine sehr große Verantwortung gegenüber der gesamten Gesellschaft, sagt Marianne Heimbach-Steins. Die katholische Theologin freut sich über die positiven Reaktionen der christlichen Religionsvertreter auf das Karlsruher Urteil zum Dritten Geschlecht. Mehr Nach dem Erfolg der Kunstinstallation "Manifesto" kommt jetzt eine Filmversion in die deutschen Kinos.


Psychotherapie effektiv bei ADHS

In der Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen ist Psychotherapie eine gute Alternative zu Medikamenten. Zu diesem Schluss kamen Psychologen der Philipps-Universität Marburg in einer aktuellen Studie. Bei etwa vier Prozent aller schulpflichtigen Kinder wird eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert: Damit ist ADHS eine der häufigsten psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters.



Schlagen des Kindes und die Psyche - PSYLEX.de

Update * Schlagen verstärkt Verhaltensprobleme von Kindern * Schlagen des Kindes: ineffektiv und verschlimmert Verhalten

Sucht

Suchtprävention: Wie man Jugendliche von Alkohol und Drogen fernhält

Die Uhr zeigt kurz vor drei; der Schulunterricht ist längst aus an diesem sonnigen Freitagnachmittag. Doch der Laugardalur-Park nahe dem Stadtzentrum von Reykjavik erscheint menschenleer. Nur hin und wieder sieht man einen Erwachsenen mit einem Buggy. Dabei liegt der Park inmitten von Wohnblocks und Mehrfamilienhäusern. Wo sind all die Kinder?


Übermäßiger Medienkonsum bei Jugendlichen macht Medizinern Sorgen

Mittwoch, 15. November 2017 Kassel - Alkohol, Cannabis und Amphetamine, aber auch Onlinespiele und soziale Netzwerke sind laut Medizinern eine Gefahr für die Gesundheit von Jugendlichen. „Je früher man anfängt, desto kritischer ist es", sagte Gundolf Berg, Vorsitzender des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ( BKJPP), vor einem Kongress von Fachärzten in Kassel.


Auch Instagram kann süchtig machen

Dienstag, 19. September 2017 Lübeck - Soziale Medien wie Facebook und Instagram bergen nach Ansicht von Experten erhebliche Suchtgefahren. Mädchen und junge Frauen seien besonders durch Plattformen wie Instagram gefährdet, auf denen vor allem Fotos geteilt werden, hieß es heute beim zehnten Deutschen Suchtkongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie ( DG SPS).