Ziele und Profil des bilingualen Zuges am Schlossgymnasium
Das Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss hat seit dem Schuljahr 1986/87 einen bilingualen Zug; dieser ist Teil des unverwechselbaren Profils unserer Schule.
Das Schlossgymnasium ist seit seiner Gründung vor 175 Jahren eine Bürgerschule mit klarer Akzentuierung der Naturwissenschaften und der modernen Fremdsprachen - unser bilingualer Zug stärkt diese Tradition und hilft unseren Schülerinnen und Schülern, ihre Zukunft in Europa und in der Welt zu meistern.
Die Idee ist einfach. Die Schülerinnen und Schüler lernen zusammen mit der Sache auch die Fremdsprache; ganz natürlich, in einer authentischen Anwendungssituation.
Nach intensiver Vorbereitung in der Orientierungsstufe durch zwei zusätzliche auf die Arbeitsweisen des bilingualen Zuges vorbereitende Stunden Englischunterricht werden Sachfächer in englischer Sprache unterrichtet: bei uns ist dies im Augenblick die Gemeinschaftskunde (mit Schwerpunkt Geschichte).
Die Kinder erhalten, wie alle Schülerinnen und Schüler, den regulären Englischunterricht; durch den zusätzlichen bilingualen Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I werden ihre Sprachkenntnisse gegenüber den Schülerinnen und Schülern des Regelzuges beträchtlich erweitert - die englische Sprache ist ihnen als lebendiges Kommunikationsmedium selbstverständlich.
In der Mainzer Studienstufe (Jahrgangsstufen 11 - 13) wird das gesamte Spektrum der Gemeinschaftskunde (Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde) in das bilinguale Programm einbezogen. Unterstützt durch den in der Regel belegten Leistungskurs Englisch gelangen die Schülerinnen und Schüler dann zu außerordentlicher Geläufigkeit und Sicherheit in der englischen Sprache.
Die Schülerinnen und Schüler können eine Abiturprüfung in einem der Fächer des bilingualen Zuges in englischer Sprache ablegen und erhalten als Anlage zum Abiturzeugnis ein Zertifikat, das dokumentiert, wie lange sie am bilingualen Zug teilgenommen und welche Schwerpunktfächer sie dort belegt haben. Mit dieser zusätzlichen Qualifikation treten sie dann ins Studium oder eine Berufsausbildung ein.
Im Schuljahr 1995/96 hat der Pilotjahrgang des bilingualen Zuges die erste so gestaltete Abiturprüfung abgelegt.
Organisation des Unterrichts im bilingualen Zug
Im Land Rheinland-Pfalz umfasst der bilinguale Zug an einer Schule in der Regel nicht mehr als eine Klasse; dies ist auch unserer Schule so.
Der Zugang zum bilingualen Zug kann bedauerlicherweise nicht jedem Kind offen stehen. Dem Charakter des bilingualen Zuges entspricht ein besonderes Begabungsprofil der Schülerinnen und Schüler: Sehr gute Kompetenz in der Muttersprache, deutlich gut ausgebildete Konzentrations- und Merkfähigkeit, ein hohes Maß an Selbständigkeit bei der Bewältigung von Aufgaben, die Fähigkeit, Hindernisse aus eigenem Antrieb überwinden zu können und, allgemeiner gefasst, Wissbegier und breit gestreute Interessen sind die optimalen Voraussetzungen für erfolgreiches Arbeiten im bilingualen Zug.
Um herauszufinden, welches Kind für den bilingualen Zug geeignet ist, wird dem Eintritt in die erste Klasse mit bilingualem Geschichtsunterricht (Klassenstufe 7) eine zwei Klassenstufen umfassende vorbereitende Phase vorangestellt, in der die Schülerinnen und Schüler auf die sprachlichen Erfordernisse des bilingualen Sachunterrichts vorbereitet werden. Dieser Zusatzunterricht, der zweistündig neben dem regulären Englischunterricht erteilt wird, dient der Heranführung an den Fremdsprachengebrauch und der sprachlichen Vorbereitung auf den in Klassenstufe 7 einsetzenden fremdsprachlichen Sachfachunterricht. Dieser vorbereitende Zusatzunterricht wird in der Regel von einer anderen Lehrkraft unterrichtet als der reguläre Englischunterricht. Am Ende dieser Vorbereitungsphase entscheidet die Schulleitung unter Hinzuziehung der Klassenkonferenz, welches Kind in den bilingualen Zug eintreten sollte. Die Kriterien finden sich vor allem in der zutage getretenen Sprachbegabung, dem Leistungsvermögen, der Leistungsbereitschaft und dem Lernverhalten der Kinder, wobei besonders auf die Leistungen im Fremdsprachenunterricht sowie im Deutsch- und Erdkundeunterricht geachtet wird.
Der eigentliche bilinguale Sachunterricht beginnt mit der Klassenstufe 7. An unserer Schule beginnt der bilinguale Unterricht im Fach Geschichte. Der in englischer Sprache erteilte Unterricht umfasst zwei Stunden in der Woche und wird darüber hinaus durch einen einstündigen Geschichtsunterricht, der in deutscher Sprache geführt wird, ergänzt. Im Verlauf der Sekundarstufe I (Klassenstufen 7 bis 10) können auch andere Fächer in den bilingualen Unterricht mit einbezogen werden – dies ist allerdings von den vorhandenen Lehrerkapazitäten abhängig.
Im bilingualen Fachunterricht zählt vor allem die fachliche Leistung – sprachliche Probleme werden nur dann in die Bewertung und Benotung einbezogen, wenn sie die fachlichen Leistungen beeinträchtigen.
Die Schülerinnen und Schüler bleiben in der Regel während der gesamten Sekundarstufe I im bilingualen Zug zusammen – ein Ausscheiden ist in Ausnahmefällen lediglich nach der Klassenstufe 8 zulässig. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten auf ihren Zeugnissen einen Vermerk, welche Fächer bilingual unterrichtet wurden.
In der Sekundarstufe II (Jahrgangsstufen 11 – 13) belegen die Schülerinnen und Schüler in der Regel den Leistungskurs Englisch und erhalten – unabhängig von ihrer Entscheidung für den Grundkurs oder den Leistungskurs in einem Teilfach der Gemeinschaftskunde (Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde) - drei Stunden Unterricht pro Jahrgangsstufe in der Gemeinschaftskunde. Diese bilingualen Unterrichtsstunden treten an die Stelle von jeweils zwei in deutscher Sprache geführten Wochenstunden desselben Fachs.
Den Abschluss des bilingualen Zuges bildet die Abiturprüfung. Diese kann in einem Teilfach der Gemeinschaftskunde in englischer Sprache abgelegt werden. Ein Vermerk über die Teilnahme am bilingualen Unterricht wie auch über die in englischer Sprache abgelegte Abiturprüfung wird in das Abiturzeugnis aufgenommen. In einem gesonderten Zertifikat, das als Anlage zum Abiturzeugnis dient, wird die Teilnahme am bilingualen Sachunterricht noch einmal gesondert dokumentiert und bescheinigt.
Fazit
Der bilinguale Unterricht an unserer Schule geht mit dem Schuljahr 2006/2007 in sein einundzwanzigstes Jahr. Wir können nun als gesicherte Erkenntnis feststellen, dass alle Schülerinnen und Schüler, die den bilingualen Zug durchlaufen haben, erwartungsgemäß Gewinn daraus gezogen haben und der bilinguale Zug alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat. Junge Leute, die die Chance dieses Zuges ergriffen haben, sind kompetent gerüstet für die beruflichen und akademischen Anforderungen an ihre Sprachbeherrschung in der Weltsprache Englisch, sie haben eine gute Grundlage für reflektierte Weltkenntnis erworben und haben mit Sicherheit ein gutes Stück Bildung mit in ihr Leben hineingenommen.
